Tag 4: Santa Maria in Valle - Caparnie

Dienstag, 16.Juni 2009

Strecke: geplant 13 km, tatsächlich: ca. 7 km
Höhenmeter: geplant: 1.000 m aufwärts, 200 m abwärts, tatsächlich: 300 auf-, 200 abwärts
Geplante Zeit: 6:30 Stunden



Der Tag beginnt mit einem ausgezeichneten Frühstück bei Antonella. Auch die Esel Eva und Nino fressen sich auf der Weide mit frischem Grünzeug satt. Die heutige Etappe ist mit 1.100 Höhenmetern das “L'Alp d'Huez” unseres kleinen Trips. Da braucht man als Esel schon eine Extraportion Kohlenhydrate. Das heutige Ziel ist Caparnie, eine Schäferhütte auf 1.800 Meter mit der Möglichkeit Käse bei Maurizio dem Schäfer zu kaufen. Auf seiner Weide werden wir unser Zelt aufstellen und werden die Nachkühle und den Blick ins Tal genießen. Antonella gibt uns zum Abschied noch eine Flasche ihres selbstgekelterten Wein als Schlummertrunk für den heutigen Abend mit.

Das Wetter ist auch heute unverändert gut, keine einzige Wolke zeigt sich am Himmel. Wir werden wahrscheinlich wieder die 30 Grad Marke knacken. Die Karte weist heute zwei Quellen direkt an der Strecke aus. Das ist beruhigend.
Hinter Santa Maria in Valle geht der Pfad unterhalb des Monte Velinos beständig bergauf. Die Esel haben heute einen guten Tag und legen ein flottes Tempo vor. Sie sind so schnell, dass Gabi und die Kinder bald zurückfallen und ich mit den beiden Esel schon mal voraus gehe. Nach einer Stunde haben wir die 200 Höhenmeter bis zum Passo di Forge geschafft und machen eine kleine Pause im Schatten eines kleinen Baumes. Kurz danach hoppelt ein altersschwacher Punto über die Weiden. Es ist ein Bauer der mit einem Fernglas die Hänge nach seinen Kühen absucht. Vom Passo di Forge geht es hinab nach Cartore wo wir an einer schönen Quelle unseren Durst stillen können. Eigentlich soll in Cartore nur noch eine Familie wohnen. Als wir ankamen gaben sich jedoch verschiedenste SUVs gefüllt mit Parkwächtern, Archäologen und Bauern in flotter Abfolge ein Stelldichein. Das Gefühl der Einsamkeitder vergangenen Tage wollte sich heute nicht so richtig einstellen.

Eigentlich hatten wir Siesta in Cartore eingeplant aber da wir das Etappenziel durch das Tempo der Esel schon um 11 Uhr erreichen, entschließen wir uns noch ein Stückchen weiterzugehen. Immerhin gilt es hinter Cartore in engen Serpentinen die verbleibenden 900 Höhenmeter des Tages zu bewältigen.

Und dann passiert es, knapp einen Kilometer hinter Cartore tritt Nino in den Streik und will keinen Meter mehr den Berg hoch laufen. Nach unten: Ja, nach oben: Nein. Auch der Trick, mit dem Esel einen 360er laufen und dann geht es einfach wieder in der ursprünglichen Richtung weiter, der bisher immer erfolgreich war, führt zu nichts. Wir greifen tief in die Trickkiste und fahren das gesamte Repertoire der Eselspsychologie auf: Wir singen, wir drohen, wir betteln. Wir legen eine Spur mit Apfelschnitzel, mit Kraftfutter, mit Karotten. Wir gehen voran lassen die Esel alleine und warten dass sie nachkommen. Wir ändern die Reihenfolge und lassen Eva vorangehen. Wir schieben, wir ziehen, wir kitzeln. Nichts hilft. Wir schlagen unser Camp auf und hoffen dass sich das Thema nach einer ausgedehnten Siesta von alleine löst. Leider vergeblich. Nach weiteren Versuchen Nino zum Bewegen zu überreden, geben wir uns um 4 Uhr geschlagen. Nino: 1 - Rainer: 0
Mit Gefluche machen wir uns wieder auf den Weg, diesmal bergab wie Nino es sich wünscht und suchen uns einen alternativen Zeltplatz für unsere heutige Nächtigung. Östlich von Cartore werden wir fündig und unterhalb von 3 riesigen Eichen schlagen wir unser Lager auf.

Der Platz ist sehr schön. Eingerahmt von hohen Bäumen befinden wir uns auf einer großen Lichtung mit saftigen Gras. Lautes und vielzähliges Vogelgezwitscher erzeugt nahezu die Illusion, dass wir uns im Brasilianischen Regenwald befinden. Die Esel haben bestes Grünzeug in rauen Mengen, auch wenn ich Nino diesen Luxus heute nicht gönne. Wir machen uns wieder Nudeln, diesmal mit Antonellas Tomatensoße. Zum Tagesabschluss genehmigen wir uns Antonellas Rotwein und hören uns das Vogelkonzert an. Ab und zu hört man in der Ferne Kuhglocken-Gebimmel, das hier allerdings von Pferden kommt, die hier auf den Weiden in kleinen Herden frei herumlaufen. Spätestens da bin ich mit Nino und der Welt wieder im Reinen und genieße die Natur und die Nacht unter freiem Himmel

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